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Wärmebrückenwelt / Einführung & Definitionen

THERM-INGS · WÄRMEBRÜCKENWELT

Einführung & Definitionen

​Was ist eine Wärmebrücke? Die Einführung erläutert die bauphysikalischen Grundlagen und die wichtigsten Begriffe: Wärmeleitfähigkeit, Wärmeübergang und Wärmedurchlasswiderstand.

Schematischer Anschluss: Geometrie, Materialien und Randbedingungen führen zu fRsi für die Oberfläche, Ψ und χ für Wärmeverluste sowie ΔUWB für die Gebäudebilanz.

Einführung in die Thematik

Im Rahmen von Neubauvorhaben sowie beim Bauen im Bestand nimmt die Disziplin der Bauphysik je nach Komplexitiät und Nutzung des geplanten Gebäudes, einen immer höheren Stellenwert ein. Geplante Baukonstruktionen werden unter Berücksichtigung einer stetig wachsenden Palette an Bauprodukten immer vielseitiger. Nicht zuletzt sind es die energetischen Anforderungen an Baukörper, die Planer und Bauherren zunehmend vor Herausforderungen stellen. Ziel dieses Kompendiums ist es, insbesondere das Thema Wärmebrücken als komplexe Teildisziplin der Bauphysik näher zu betrachten.

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​Zu einem guten baulichen Wärmeschutz gehören nicht nur hochwärmedämmende Bauteile, sondern auch entsprechende Bauteilanschlüsse. Im Bereich dieser Anschlusssituationen sind zusätzliche Wärmeabflüsse und niedrigere raumseitige Bauteiloberflächentemperaturen während der Heizperiode zu erwarten. Zusätzliche Heizenergieverbräuche und die Möglichkeit der Tauwasser- und/oder Schimmelpilzbildung sind die Folge. Dabei ist zu beachten, dass sich der vorgenannte Wärmebrückeneffekt bei hochwärmedämmenden Bauteilen wesentlich stärker auswirken kann als bei Bauteilen mit geringem Wärmeschutz. Grund dafür ist der verhältnismäßig hohe Wärmedurchgang im Vergleich zum ungestörten Bauteilquerschnitt. Bei innen gedämmten Konstruktionen kann der Wärmebrückeneinfluss aufgrund der Vielzahl an Anschlusssituationen bis zu einem Drittel des gesamten Transmissionswärmeverlustes betragen.

​Definitionen

Am Anfang einer Thematik sollten einige normkonforme Definitionen dargestellt werden, mit der Zielsetzung, eine klare Verständlichkeit zu erreichen. Die wichtigsten wärmetechnischen Rechengrößen im Zusammenhang mit der Berechnung und Simulation von Wärmebrücken werden nachfolgend erläutert

​​Wärmeleitfähigkeit

Die Wärmeleitfähigkeit λ in W/(m·K) ist eine Stoffeigenschaft. Sie verknüpft die Wärmestromdichte mit dem Temperaturgradienten. Bei einer homogenen, ebenen Schicht im stationären Zustand gilt für den Betrag des Wärmestroms: Q̇ = λ · A · Δθ / d. Wärmeleitfähigkeit und Wärmemenge sind unterschiedliche Größen; λ hängt unter anderem von Stoffaufbau, Temperatur und Feuchte ab.

 

Dichte, Porenstruktur und Feuchte beeinflussen die Wärmeleitfähigkeit, begründen aber keinen allgemeinen, stoffübergreifenden Zusammenhang. Die folgende Stoffübersicht veranschaulicht Größenordnungen. Für die Bemessung sind die zum Produkt und zur Anwendung passenden Werte nach DIN 4108-4 bzw. DIN EN ISO 10456 und den maßgeblichen Produktnachweisen anzusetzen. Die Übersicht ersetzt keine aktuelle Bemessungswerttabelle. Bei Luftschichten sind Wärmeleitung, Strahlung und gegebenenfalls Konvektion gemeinsam zu berücksichtigen; hierfür werden geeignete Wärmedurchlasswiderstände verwendet.

Baustoff

Rohdichte in [kg/m3]

Wärmeleitfähigkeit – Orientierungswerte in W/(m·K)

Putze, Mörtel, Estriche

Putzmörtel aus Kalk, Kalkzement und hydraul. Kalk

Zementestrich

Gipsputz ohne Zuschlag

1800

2000

1200

​1,0

1,4

0,51

Betone

Normalbeton

Stahlbeton

Leichtbeton & Stahlleichtbeton

2200 – 2400

2000 – 2600

​800 – 2000

1,6 – 2,1

2,3

0,51

Bauplatten

Wandbauplatten aus Gips

Gipskartonplatten

Porenbetonbauplatten

750 – 1200

800

400 – 800

0,35 – 0,58

0,25

0,20 – 0,29

Mauerwerk

Vollklinker, Hochlochklinker, Keramikklinker

Hochlochziegel mit Lochung A & B

Vollziegel, Hochlochziegel & Füllziegel

Kalksandsteinmauerwerk

1800 – 2400

550 – 1000

1200 – 2400

1000 – 2200

0,81 – 1,4

0,27 – 0,45

0,50 – 1,4

0,50 – 1,3

Holz- & Holzwerkstoffe

Fichte, Kiefer, Tanne (Nadelholz)

Buche, Eiche (Laubholz massiv)

Holzspan-Flachpressplatten (OSB-Platten)

​Sperrholz

600

800

700

800

0,13

0,20

0,13

0,15

Abdichtungstoffe & Beläge

Kunststoffbeläge

Bitumendachbahnen & nackte Bitumenbahnen

1500

1200

0,23

0,17

Wärmedämmstoffe

Mineralwolleplatten

Holzwolle-Leichtbauplatten

Expandierters Polystysrol (EPS)

Extrudiertes Polystyrol (XPS)

Polyurethan Hartschaum (PUR)

Holzfaserdämmplatten (DIN 68755)

Schaumglas (DIN 18174)

Aerogel – Mattenware

​Vakuum-Isolations-Paneele (VIP)

8 – 500

360 – 460

25

25

25

120 – 450

100 – 200

150

25

0,031 – 0,050

0,065 – 0,090

0,030 – 0,040

0,026 – 0,040

0,023 – 0,040

0,040 – 0,070

0,045 – 0,060

0,015 – 0,021

0,007

Sonstige, gebräuchliche Stoffe

Glas

Stahl

Aluminium

Luft

2500

7000

2500

1,2

0,80

15 - 60

230

​ca. 0,026 (Stoffwert; kein Bemessungswert für Luftschichten)

Wärmeübergang

Der Wärmeaustausch zwischen Umgebung und Bauteiloberfläche wird in Berechnungen durch Wärmeübergangswiderstände beschrieben. Für U-Wert-Berechnungen gelten die jeweiligen Randbedingungen der DIN EN ISO 6946. Für die Untersuchung von Oberflächentemperaturen und den Mindestwärmeschutz sind die zum Nachweisziel passenden Randbedingungen anzusetzen; diese sind nicht mit den Bedingungen einer energetischen Ψ-Wert-Berechnung gleichzusetzen. Die folgende Tabelle zeigt typische Ansätze für die U-Wert-Berechnung.

Rsi in [m2*K/W]

Rse in [m2*K/W]

Wärmestrom nach oben

0,10

0,04

Wärmestrom horizontal

0,13

0,04

Wärmestrom nach unten

0,17

0,04

gem. DIN EN ISO 6946 für wärmeschutztechnische Berechnungen:

An einer Grenzfläche zwischen Bauteil und Erdreich wird kein äußerer Wärmeübergang an die Außenluft angesetzt. Der Einfluss des Erdreichs ist über das maßgebliche Verfahren, die Modellgeometrie und die Randbedingungen zu berücksichtigen; Rse = 0 allein beschreibt den Wärmetransport durch das Erdreich nicht vollständig.

Wärmedurchlasswiderstand

Der Vorgang der Transmission in einer beliebigen Bauteilschicht wird allgemein als Wärmedurchgang bezeichnet. In diesem Zusammenhang wird der Wärmedurchlasswiderstand R einer Baustoff- bzw. Luftschicht auf einer Referenzfläche von 1 m² bei einer Temperaturdifferenz von 1 Kelvin zwischen der inneren und äußeren Oberfläche des Bauteils betrachtet.  Je größer dieser Wärmedurchlasswiderstand R ist, desto besser ist die wärmedämmende Wirkung des Bauteils. Die Widerstandszahl ist der Quotient aus der Dicke d und der Wärmeleitfähigkeit λ des Bauteils.

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Zur Bestimmung des Wärmedurchlasswiderstandes Rg einer Luftschicht oder eines Luftraumes Ru stellt die DIN EN ISO 6946 abhängig von der Geometrie der betrachteten Schicht und dem Emissionsgrad der Oberflächen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Im Rahmen von Simulationen bzw. Berechnungen von Wärmebrücken sind diese in Abhängigkeit der betrachteten Konstruktion entsprechend anzuwenden.

Wärmebrücke

Eine Wärmebrücke ist ein Bereich der Gebäudehülle, in dem sich der Wärmestrom gegenüber dem ungestörten Bauteil verändert. Ursachen können unterschiedliche Wärmeleitfähigkeiten, Änderungen der Bauteildicke oder das Verhältnis von Innen- zu Außenoberfläche sein. DIN EN ISO 10211:2018-03 beschreibt die Modellierung und numerische Berechnung zweidimensionaler und dreidimensionaler Wärmebrücken.

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